Am Anfang steht die Grundlagenforschung...
In Österreich, in einem der nach wie vor reichsten Länder der EU, muss Grundlagenforschung - verstanden als Forschung an den Grenzen des Wissens am Beginn der Wertschöpfungskette - einen sicheren Platz haben, da eben diese Forschung die Grundlagen für technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen liefert.
Wünschenswert wäre, den als "Forschungspfad" bezeichneten Kurs in den nächsten zehn Jahren fortzusetzen, um schließlich 2020 eine Forschungsquote von über vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu erreichen.
In der österreichischen Forschungslandschaft besteht die akute Gefahr des Mittelmaßes. Erfolgreiche Wissenschaft ist eine Sache der Elite. Aus schwer nachvollziehbaren Gründen hat man in Österreich nahezu Angst vor diesem Begriff. Wir freuen uns, wenn ein Sportler Spitzenleistungen erbringt, also besonders elitär agiert. Aber in anderen Bereichen ist Elite offenbar suspekt. Bei der Bildung. Bei der Wissenschaft.
Höchstmögliche Forschungsqualität ist ein selbstverständliches Ziel. Wie auch in anderen erfolgreichen Forschungsnationen kommt hier der außeruniversitären Forschung besonderer Stellenwert zu, da diese aufgrund der Entlastung von Lehrverpflichtungen und ihrer Fokussierung auf forschende Wissenschaft nachgewiesenermaßen besonders geeignet ist, dem Exzellenzprinzip Genüge zu tun.
In einem kleinen Land wie Österreich kann international wettbewerbsfähige Grundlagenforschung nur in ausgesuchten Feldern der Lebens-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften betrieben werden. Das langfristige Ziel ist fortschreitende Erkenntnis, die sich zum Wohl der Gesellschaft anwenden lässt.
Die österreichische Forschungsstrategie muss jedenfalls in jene der gemeinsamen Wissenschaftslandschaft Europas eingebettet sein, da die längerfristige Herausforderung an die europäische Wissenschaft auf der Ebene einzelner Mitgliedsländer der EU nicht zu lösen ist.
Eine langfristige nationale Forschungsstrategie mag Orientierungsfunktion erfüllen, aber Grundlagenforschung der Spitzenklasse muss auf High Trust aufbauen und zeitnah auf neue Erkenntnisse reagieren können. Insofern bedarf es einer flexiblen Forschungsstrategie, die der Wissenschaft ihre Freiheit und unvorhersehbaren Änderungen des Forschungsinteresses Raum lässt.
Zentral sollte eine Forschungsstrategie die Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs berücksichtigen. Wir sind es unserem Nachwuchs schuldig, dass wir alle Anstrengungen unternehmen, um für unsere besonderen Talente ausreichend viele wissenschaftliche Ausbildungsplätze der Spitzenklasse zu schaffen.