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Empfehlung 17.1

Entsprechend der abgebildetet Governance-Kaskade sollen folgende Strukturprinzipien umgesetzt werden:

  • Eine Zusammenlegung der Forschungsagenden in den für angewandte und wirtschaftsnahe Forschung zuständige Ministerien – BMVIT und BMWFJ.
  • Eine Zusammenlegung der Aufsichts- und Lenkungsstrukturen der Agenturen, auch um die Mittel flexibel und bedarfsorintiert den Schwerpunkten zuordnen zu können. Die Ministerien erarbeiten diesbezüglich strategische Vorgaben und entsprechende Budgetkorridore, innerhalb derer die Agenturen Autonomie und Flexibilität haben. Das erfordert Funktionalitäten, die in der Verwaltungseinheit abgebildet sind.
  • Autonomie der Agenturen im Sinne von Agencification bezüglich Jury- und Leitfadenentscheidungen basierend auf den strategischen Vorgaben der Ressorts. Es wäre dann keine, wie momentan erforderlich, diesbezügliche Abstimmung mit den Ressorts mehr notwendig.
  • Der Rat hat eine Vertretung in der Verwaltungseinheit und übernimmt die Beobachtung und Evaluation des Gesamtsystems.

Kommentare

Gudrun says:

forschungsverantwortung bei bmvit und bmwaj

Bereits die strikte Zuständigkeitstrennung für angewandte und Grundlagenforschung ist realitätsfern (Unis forschen immer angewandter, Angewandte kaufen Grundlagen nicht nur zu, sondern machen sie auch, da sie sonst nicht die geforderte "Exzellenz" haben). Werden nun auch noch für die Angewandte "zwei Herren" festgeschrieben, befürchte ich als Folgen: Forschungsmittel fast nur mehr für Themen, die der Wirtschaft zur Zeit genehm sind (= oft kurzsichtig) und völliges Vernachlässigen sozialer und gesellschaftspolitischer Themen in der angewandten Forschung.

berger2020 says:

Zuständigkeit bei der Verteilung der Forschungsmittel

Verteilungsschlüssel dürfen im Allgemeinen nicht von oben dekretiert werden sondern sollen dem Forschungsbedarf entsprechen. Der Bedarf für Forschungsinvestititionen richtet sich aber nach den Forschungsprojekten, die von den Ausführenden vorgeschlagen werden.
Die Vergabe der Mittel muss nach Qualitätskriterien erfolgen, die Evaluierung der Qualität kann aber letztlich nur durch Experten erfolgen. Das Evaluierungsverfahren ist entscheidend, dem Geldgeber soll daher das beste Evaluierungsverfahren zur Verfügung stehen. Die Aufgabe der Agenturen ist, das beste Verfahren durchzusetzen. Dazu sollen sie ermächtigt werden.

Gudrun says:

Stellung der Agenturen

Zu befürchten ist, dass in der Absicht, mehr Flexibilität zu schaffen, den Agenturen zu viel Handlungsfreiheit gegeben wird.

Agenturen, die in ihren Abläufen bei der Forschungsfinanzierung derart intransparent, schleppend und unkommunikativ sind wie (Teile der) FFG würden vor allem eine klare Kontrolle von außen benötigen.

Jolly good fellow says:

wie passt das zur Systemevaluierung

Diese Strukturen scheinen noch nicht mit der Systemevaluierung abgestimmt. Wenn man den Empfehlungen der Systemevaluierung nicht folgen will, dann sollte man argumentieren warum man anderer Meinung ist. Das würde zum Diskurs beitragen.

j.jaeger says:

Abbildung 12. Warum werden

Abbildung 12. Warum werden nicht alle Ministerien gleich behandelt (BMWF hat keinen direkten Link zum Rat). Wenn Umwelt und Nachhaltigkeit Schwerpunktthemen sind, sollen auch andere Ministerien dabei sein (Lebensministerium und Gesundheitsministerium)

Bild von Markus Pasterk
Markus Pasterk says:

Ablehnung dieser Empfehlung 17.1

Nicht zwei, sondern ein Ministerium wäre das Ziel. Weiters muss es zu einer Stärkung der Strategiekompetenz im Ressort kommen (Ende des Nichtnachbesetzungserlasses). Es muss aber auch zu einer personellen (und gewünschten) Durchlässigkeit zwischen den System kommen. Der Wissenschaftsrat und der Forschungsrat werden zusammengelegt.

Johannes Schmid says:

Wie ist der folgende Satz zu

Wie ist der folgende Satz zu verstehen: "Eine Zusammenlegung der Forschungsagenden in den für angewandte und wirtschaftsnahe Forschung zuständige Ministerien – BMVIT und BMWFJ"? Soll jede Forschung nur mehr anwendungsorientiert sein? Wo bleibt die Grundlagenforschung? Die Fokussierung auf Anwendung und Wirtschaft nimmt halb-religiöse Formen an. Es ist festzustellen, dass die meisten Innovationen ursprünglich aus der Grundlagenforschung kommen - etwas, das auch die EU inzwischen festgestellt hat.