Community based innovation als Allheilmittel?

"open innovation", "community based innovation", "user innovation", "crowd sourcing", "the wisdom of the crowds" sind in den letzten Jahren zu Schlagwörtern geworden, die alle das traditionelle Verständnis von Innovatoren ankratzen. Nicht mehr allein auf dem genialen Erfinder, oder auf der Forschergruppe innerhalb eines Unternehmes ruhen alle Hoffnungen. Vielmehr hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die Anzahl der ExpertInnen außerhalb des Unternehmens jene innerhalb des Unternehmens deutlich übersteigt und dass Wissen sich über alle Gesellschaftsbereiche verteilt. Obwohl "community based innovation"-Ansätze immer schon eingesetzt wurden - man denke nur an Kommissionen, Versammlungen, oder auch den Toyotism, die auf das Wissen und die Kreativität von Gruppen abstellten - hat das Internet hier neue Möglichkeiten zur Interaktion eröffnet. In diesem Forum kann über diese Ansätze, deren Sinnhaftigkeit, die möglichen Ergebnisse und Einsatzmöglichkeiten und die hier zu begutachtende konkrete Umsetzung eines "community based innovation"-Ansatzes diskutiert werden.

Exzellenz says:

staunen

ich habe - ehrlich gesagt - ziemlich gestaunt, dass der rat einen derart innovativen zugang zur diskussion seiner strategie überlegt hat. ich finde, das ist ein positives beispiel für die beteiligung von bürgerInnen in entscheidungsprozesse!

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johannes gadner says:

Täuschung

So kann man sich täuschen ;-)

die unbequeme Stimme says:

Hoffentlich keine ENTtäuschung

Nun, eine solcher Zugang ist ja gut und schön, aber:

1) Werden die Stimmen der Community dann auch wirklich berücksichtigt? Gesetzesbegutachtungen gibt es ja schon lange, die sind zwar nicht so schön übersichtlich und so gut unterstützt durch eine webbasiertes System, aber ganz neu ist der Gedanke ja nicht, der Bevölkerung bzw. ihren VertreterInnen das Gefühl zu geben, mitsprechen zu können. Im Falle der Gesetzesbegutachtungen wirds aber dann sehr oft unverändert beschlossen (außer man hat irgendwelche Lobbys im Hintergrund) und man fragt sich, ob es den Aufwand überhaupt wert ist, sich damit zu beschäftigen.
Ich hoffe, es wird hier anders sein.
Allerdings wirkt das Papier schon ziemlich ausformuliert - wäre der Rat wirklich bereit neue Punkte aufzunehmen?

2) Wird die Strategie dann auch wirklich umgesetzt? Welchen Stellenwert hat das Papier?

Bild von johannes gadner
johannes gadner says:

ad Hoffentlich keine ENTtäuschung

ad 1) Werden die Stimmen der Community dann auch wirklich berücksichtigt?
Die Diskussionsergebnisse werden bei der Fertigstellung der Strategie 2020 berücksichtigt und in Abhängigkeit von den Entscheidungen des Rates in die Letztfassung der Strategie 2020 eingebaut. Letztendlich ist es die Entscheidung des Rates, der auch die Verantwortung für die Endversion übernehmen muss, welche Diskussionsbeiträge übernommen werden. Alle Vorschläge bleiben aber sichtbar und die nicht in der Endversion der Strategie 2020 berücksichtigten Beiträge werden in einem „Minority Report“ zusammengefasst.

ad 2) Wird die Strategie dann auch wirklich umgesetzt?
Die Strategie 2020 wird für die österreichische Bundesregierung erarbeitet und stellt eine Empfehlung dar. Insofern hängt es vom Willen der Regierung, der MinisterInnen und der Qualität der Empfehlungen ab, ob diese auch umgesetzt werden.

Diese Antworten auf Ihre beiden Fragen finden Sie im übrigen auch in der Rubrik FAQ.

die unbequeme Stimme says:

Danke für die Antwort

Danke für die Antwort.

Ich möchte mich, wie die Vorredner auch dafür bedanken, daß der Rat so einen Partizipationsprozess gestartet hat. Bitte verstehen Sie auch meine Bemerkungen auch als Motivation, darauf zu drängen, daß die Bemerkungen der Teilnehmenden (die ja auch gratis ihre wertvolle Zeit investiert haben) ernst genommen werden, auch von der Politik.

Besonders Lob auch noch, daß Sie anonyme Stellungnahmen, wie etwa meine explizit zulassen. Das ist nämlich eine echte Innovation gegenüber herkömmlichen Konsultationsverfahren. Denn so können auch jene Leute neue Ideen einbringen, die sonst mit beruflichen Konsequenzen rechnen müssten wenn sie sich außerhalb des Mainstreams bzw. außerhalb der offiziellen Linie ihres Dienstgebers äußern.