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Eine systematische Schwerpunktsetzung muss gerade in kleinen Ländern die FTI-Landschaft dort stärken, wo bereits vorhandene Stärken einen außerordentlichen wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Output erwarten lassen und damit die Stellung Österreichs im internationalen Wettbewerb deutlich verbessert werden kann. Ebenso sollen auch dort FTI-Aktivitäten stimuliert werden, wo wichtige gesellschaftliche Fragestellungen fokussiert angegangen werden müssen. Nur eine Fokussierung auf wenige ausgewählte „wissenschaftlich-technologische“ und „gesellschaftlich-missionsorientierte“ Schwerpunkte und deren breite Unterstützung in allen Sektoren des FTI-Systems - und darüber hinaus – kann für ein kleines Land einen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Erfolg im internationalen Maßstab sicherstellen.

Kommentare

Anton Spögler says:

Schwerpunktsetzung und CERN

Den hier gewählten Ansatz finde ich grundsätzlich richtig. Begrenzte Ressourcen verlangen nach Entscheidungen, in welchen Bereichen man sie sinnvollerweise einsetzt. Entscheidungen haben naturgemäß eine Selektion zur Folge. Das ist ein vielfach sehr schmerzhafter Prozess wie man es gerade in Zusammenhang mit der Diskussion um den Ausstieg der österreichischen beteiligung an CERN beobachten kann. Die Auswahl von Schwerpunkten birgt natürlich auch die Gefahr, dass die gewählten Schwerpunkte sich nicht in der Weise entwickeln, wie das prognostiziert wurde oder dass die Auswählenden sich möglicherweise irren. Daher kommt es aus meiner Sicht stark darauf an, wer Schwerpunkte nach welchen Kriterien festlegt.

Maximilian Kolmbauer says:

Schwerpunktsetzung

Wichtig ist auch zu unterscheiden, in welchen Bereichen eigene Basisarbeit im Land geleistet/ sich geleistet werden soll und wo man viel kostengünstiger über gezieltes Brain Drain aus anderen Regionen das Know-How günstiger ins Land bekommt. Dieser sehr betriebswirtschaftliche/volkswirtschaftliche Ansatz mag zwar dem einen oder anderen Sozialromantiker nicht schmecken, findet aber de facto ja bereits statt (z.B. Medizinische Ausbildung oder Werkstoffstechnologien). In diesen Bereich ist Österreich massiv vom Brain Drain betroffen.

Raggautz says:

Kleine Länder - wenige Schwerpunkte

Wenn man wissenschaftlich erfolgreiche kleine Länder (Schweiz, Niederlande, Dänemark) betrachtet, sieht man zwar eine Fokussierung, allerdings keineswegs auf "wenige" Schwerpunkte. Gerade diese drei Länder schaffen es, in mehreren Schwerpunkten exzellente Forschung und wirtschaftlichen Erfolg zu haben.

Jörg Schmiedmayer says:

Schwerpunktsetzung in kleinen Ländern

Als kleines Land eingebunden in die EU müssen Wir nicht alles machen, und wir profitieren am Besten wenn wir uns auf unsere Starken konzentrieren.

Schwerpunkte müssen zuerst einmal von exzellenten international ausgewiesenen und führendenWissenschaftern getragen werden. Schwerpunkte sind getrieben von den Leadern. Nur so haben Wir eine Chance zu den Leadern aufzusteigen, signifikant beizutragen.

Brav mitmachen in einem "Modetrend" mit nationalen Größen ist Verschwendung von Resourcen und zu vermeiden.

Österreich ist viel zu klein, und wir müssen damit leben in vielen Bereichen keinen führenden Schwerpunkt zu haben. Das ist aber keinesfalls Aufruf zur Monokultur, sonder vielmehr zur gut ausgewählten, gepflegten und dynamisch veränderbaren Vielfalt.

Erfolgreiche Schwerpunkte in Wissenschaft und Innovation werden zuerst einmal von den daran beteiligten Köpfen getrieben. Innovation Leadership wird von Köpfen geschaffen und vorangetrieben, von Köpfen die andere mitziehen. Das kann mann/frau nicht verordnen von oben herab, das kann mann/frau nur von unten her aufbauen … in dem man in Österreich lebende internationale World Leader fördert, oder in dem man World-Leader hereinbringt die anderen mitziehen.

Also ein Bottom up getriebener Prozess, der durch Förderung vorn Exzellenz, oder dirch import von "Köpfen" gestartet wird.