17

Forschung und Innovation sind die Voraussetzung, um in Zukunft technische, soziale und kulturelle Fortschritte zu erzielen, dadurch hochqualitative Arbeitsplätze zu schaffen und so den gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern. Das Ziel, in die Gruppe der „Innovation Leaders“ aufzusteigen, ist also kein Selbstzweck, sondern dient der Erreichung gesellschaftlicher Ziele. In der Lissabon Strategie haben die europäischen Staats- und Regierungschefs festgehalten, dass Forschung und Innovation Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung in Europa sind: Forschung steigert nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, sie sichert auch dessen Wohlstand und ermöglicht soziale Teilhabe.

Kommentare

dr. gerald.kainz says:

Wohlstandssicherung und soziale Teilhabe

"Forschung steigert nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, sie sichert auch dessen Wohlstand und ermöglicht soziale Teilhabe."

Bitte kann mir das jemand erklären? Ich verstehe die schwülstigen Worthülsen nicht - weder im zitierten Satz noch im Zusammenhang des ganzen Absatzes:

Wie kann durch Forschung die soziale Teilhabe (an Wissen und materiellen Werten) für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung eines Landes erreicht werden, wenn sich durch stetig verschlechternde Rahmenbedingungen der auch in Zukunft zweifellos wachsende Wohlstand des Landes unter immer weniger Menschen aufteilt? Schauen sie sich doch an, wie in den letzten Jahren die Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen auseinandergegangen ist.

Die Einkommenshöhe hat meines Erachtens nach immer weniger mit erbrachter Leistung zu tun (won wegen "Leistung muss sich lohnen") als vielmehr mit den tatsächlichen Machtverhältnissen, die Spielregeln festlegen zu können, wie der Profit (und um den geht es fast ausschließlich) verteilt wird.

Exzellenz says:

lehre durch forschung

nun ja, der einwand ist schon berechtigt, aber ich meine schon, dass es hier einen brauchbaren grundgedanken gibt. ursprünglich war ja auch die teilnahme an der forschung ein wesentliches element in der lehre, was dazu geführt hat, dass eben mehr auserwählte in den kreis der erleuchteten aufgenommen wurden. wenn man das ganze als emanzipatorischen prozess versteht, finde ich den ansatz zumindest sehr positiv. "soziale teilhabe" klingt vielleicht etwas schwülstig, aber ich meine doch, dass der gedanke aus einer ganzheitlichen perspektive stimmt. mehr bildung führt dazu, dass auch immer größere bevölkeungsteile zumindest in die nähe einer uni oder fh kommen. dort kommen sie auch in berührung mit der forschung und können möglicherweise dadurch ihren eigenen horizont erweitern oder zumindest bessere jobs erhalten. wenn dann mehr durch forschung geschulte akademiker in den arbeitsmarkt diffundieren, dann lässt sich doch behaupten, dass letztlich auch die soziale teilhabe gestiegen ist.

CSteinwender says:

Firmengründungen durch Forschung

Damit sozialer Wohlstand durch Forschung entstehen kann, ist es meiner Ansicht nach auch wichtig, Rahmenbedingungen zu sichern, um Forschung und Wirtschaft gut zu vernetzen. Dann können Erkenntnisse der Forschung in Unternehmen umgesetzt und weiterentwickelt werden, Firmen gegründet werden usw. Jeder hochqualifizierte Arbeitsplatz zieht dann im Sinne eines Schneeballeffektes auch die Entstehung von niedriger qualifizierten Arbeitsplätzen mit sich (z.B. Sekretärinnen/Assistenten, Produktionsstandorte...), was die Beschäftigung erhöht und tatsächlich sozialen Wohlstand in einem weiteren Sinn sichert.
Damit das passiert, sind aber meiner Meinung nach Rahmenbedingungen erforderlich, damit die Forschung nicht nur im "Elfenbeinturm" passiert, sondern tatsächlich Auswirkungen auf die reale Wirtschaft hat.

frosch says:

wenn dann immer mehr akademiker in d arbeitsmarkt diffundieren

... das ist leider unrealistisch. Akademiker sind teuer - am Arbeitsmarkt werden billige Arbeitskräfte bevorzugt(jung und dynamisch = billig und mit wenig Ansprüchen) ...
... wenn man sich als Akademiker für eine einfache Stelle bewirbt, heisst es, dass man leider überqualifiziert ist ...

dr. gerald.kainz says:

Wohlstandssicherung und soziale Teilhabe durch Forschung

"Forschung steigert nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, sie sichert auch dessen Wohlstand und ermöglicht soziale Teilhabe"

Bitte, kann mir das jemand erklären? Ich verstehe diese Worthülsen weder im zitierten Satz noch kann ich dem ganzen Absatz folgen.

Wie kann Forschung per se die soziale Teilhabe an Wissen und materiellen Gütern für einen möglichst großen Teil der Bevölkerung sichern, wenn durch die aktuellen politisch verursachten Rahmenbedingungen die Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen immer weiter auseinandergeht?

Was ich damit ausdrücken möchte: In dieser Vision fehlt mir noch ein Hinweis auf gesellschaftliche Utopien. Dass sich Leistung wirklich lohnen muss - und dass die Verteilung des Einkommens nicht bloss die Machtverhältnisse wiederspiegelt, die Regeln festlegen zu können, wie Einkommen verteilt wird.

ulrike kozeluh says:

"Forschung ermöglicht soziale Teilhabe"

Ich stimme der Kritik an der Unschlüssigkeit dieser Behauptung zu. So gelesen, wirkt das reichlich vage und naiv. Man könnte allerdings hinter der Nebulosität eine gesellschaftliche Utopie in Richtung Umverteilung vermuten, wäre das anders und vor allem kausal formuliert. Forschung ermöglich soziale Teilhabe dann, wenn jene gesellschaftliche Normen und Wertekonflikte, die durch Wissenschaft und Froschung ausgelöst, auf den Tisch gelegt und bearbeitet werden, auch gesellschaftlich reflektiert werden können und die Ergebnisse dieser Reflexion wieder ihren Weg in die Forschungs- und Wissenschaftspolitk finden. Letzlich drückt diese vage Beauptung eine klassische demokratietheoretische Problemstellung aus- wer ist dabei, warum, in welchem Ausmass - und in welcher strukturellen Ausformulierung löse ich diese Fragen? darauf sollte noch mehr eingegangen werden.

Anton Spögler says:

Vage und naiv

Offenbar haben die Regierungschefs in Lissabon eher vage und naiv formuliert. Was sollte man auch anderes erwarten bei der Erstellung eines Policy Documents? Dem Gedanken mit der gesellschaftlichen Utopie könnte man allerdings einiges abgewinnen. Insofern passt das Thema auch gut hierher, denn es wäre zumindest visionär einen gesellschaftlichen Zustand zu skizzieren, in dem es die in Ihrem Kommentar angeführte reflexive Feedbackschleife zwischen Wissenschaft und Gesellschaft tatsächlich gibt.

Jolly good fellow says:

Wohlstand Gesellschaft Gesellschaft Wohlstand

In dieser Vision wird zwei mal gesagt, dass es um die Schaffung von Wohlstand geht. Sie ist also höchst redundant formuliert. Man sollte wohl etwas klarer formulieren was man unter diesem Wohlstand versteht und wie man ihn verteilen will - letzteres ist wohl das wichtigste Kriterium, wenn man auf Dauer breite Unterstützung für eine wirtschaftspolitische oder FTI-Strategie haben will - angesicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist das kein allzu esoterisches Thema mehr.

Helmut Haberl says:

Soziale Teilhabe muss konkretisiert werden

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube...

... solange nicht konkretisiert wird, WIE soziale Teilhabe an der Forschung umgesetzt werden soll.

m.E. durch mindestens folgende 2 Elemente;

(1) eine an gesellschaftlichen Notwendigkeiten, d.h. den Interessen unterschiedlicher sozialer Gruppen, inklusive den künftigen Generationen, orientierte Forschungspolitik.
(2) Einer stärkeren Betonung partizipativer, transdisziplinärer Forschungprinzipien auch in der Forschungspraxis. D.h. Dialoge zwischen ForscherInnen und anderen Bevölkerungsgruppen auf gleicher Augenhöhe. Wissenschaftler können davon mehr profitieren, als sie glauben!

Gudrun says:

Präzisieren oder bleibenlassen

Die letzten drei Zeilen sind völlig unpräzise (siehe Diskussion unter den Kommentierenden) und wirken bei sicherlich guter Intention leider schwülstig. Bitte genau überlegen, was gesagt werden soll (Stichwort "soziale Teilhabe: wessen? woran genau?wodurch/ in welcher Form...) und das dann klar formulieren - oder einfach diesen "Politikersprech" weglassen.