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Eine Schieflage zwischen Innovationsinput und -output ist nur ein Hinweis auf die wohl größte Herausforderung die Österreich zu bewältigen hat: den Schritt vom „Innovation Follower“ zum „Innovation Leader“ oder von einem Land in einem Aufholprozess zu einem Land, das nahe der technologischen Grenze produziert, also ein „Frontrunner“ ist. Dieser Entwicklungsschritt steht schon lange an: Bereits im Expertenentwurf für ein Technologiepolitisches Konzept der Bundesregierung im Jahr 1996 wurde festgehalten, dass die Erträge einer imitativen Strategie – die einem Innovation Follower bzw. einem Land in der Aufholphase entsprechen – weitgehend ausgeschöpft sind. Die Änderungen seither und auch die starken Anstrengungen zur Erreichung des 3%-Ziels haben die Strukturen in Österreich nicht ausreichend verändert, sodass die Aufgabe eines grundlegenden Wandels in der Ausrichtung der Forschungs-, Technologie-, Innovations- und Bildungspolitik bleibt (vgl. Strategieelement Governance).

Kommentare

bruno says:

Frontrunner nur in

Frontrunner nur in ausgewählten Segmenten und Nischen wo bereits heute Österreich zu den Besten in Europa zählt. Fokusierung auf strategisch interessante Nischen mit globaler Bedeutung.

Fuhrmann says:

"Innovation Leader"

Der Schritt zum "Innovation Leader" ist in Bereichen vorzunehmen, in denen es bereits heute sowohl unter den Forschern, aber auch unter den Anwendern und Verwertern der Forschungsergebnisse, deutliche Stärken gibt. Stärken stärken !

Matthias Weber says:

Frontrunnerstrategie allein reicht auch nicht...

Das Ziel, zum Frontrunner oder Innovation Leader zu werden, sollte nicht zu eng verstanden werden. Insbesondere sollte es nicht auf sogenannte high-tech Sektoren eingeschränkt werden. Darüber hinaus sollte aber auch nicht vergessen werden, dass es letztlich vor allem darum geht, in zahlreichen, häufig auch vergleichsweise engen und spezifischen Feldern, eine Spitzenposition inne zu haben und diese auch zu verteidigen, egal ob es sich dabei um high-, medium- oder low-tech handelt.

Und schließlich (und das ist vielleicht das wichtigste Argument, warum eine Frontrunnerstrategie allein zu wenig ist) sollte nicht vergessen werden, dass Innovation kein Selbstzweck ist, sondern letztlich dazu dient gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu bewältigen. Und dafür kann man nicht immer auf die radikalen Innovationen und Spitzentechnologien warten.

Fazit: Innovation leader zu sein (bzw. zu werden) sollte als Element der Agenda ergänzt werden durch ein klares Bekenntnis dazu, dass Innovation auch dazu dient Lösungen für anstehende Aufgaben zu Probleme zu liefern. Und dafür ist es nicht zwangsläufig erforderlich internationaler Innovation Leader zu sein.

Jörg Schmiedmayer says:

braver Follower oder unbequemer Leader

Das Aufsteigen von Innovation Follower zum Innovation Leader wird von den Leadern in Wissenschaft, Innovation und der Abschätzung ihrer Folgen (Nachhaltigkeit) getragen. Der Aufstieg wird von den Köpfen getragen. Und diese kommen von überall her.
Die Analyse das Österreich in vielem ein ‚braver‘ Follower in vielen dieser Bereiche ist, aber in nur wenigen ein Leader ist sehr zutreffend. Was mir fehlt ist aber eine schärfere Sicht wo und warum. Ich denke dass Innovation in allen Bereichen, in allen Wissenschaften, in Technologie und auch in Nachhaltigkeit zuerst einmal von den hier denkenden Köpfen getrieben wird. Leadership wird von Köpfen geschaffen und vorangetrieben, von Köpfen die andere mitziehen. Das kann mann/frau nicht verordnen von oben herab, das kann mann/frau nur von unten her aufbauen … in dem in Österreich lebende internationale World Leader fördert, oder in dem World-Leader hereingebracht werden, die anderen mitziehen. Und da fehlt es in vielen Belangen in Österreich. Im speziellen die mangelnde Mobilität und Offenheit ist ein sehr großes strukturelles Problem in allen Bereichen der innovativen intellektuellen Auseinandersetzung. Das in Österreich kleben bleiben, das nach einer‚ planbaren Karriere schreien ist fatal. Leader kümmern sich nicht um solche planbaren Karieren, die wollen Möglichkeiten, die hierzulande leider zu oft durch solche ‚Planbare Karrieren‘ zugepflastert und verhindert wurden. Leader gehen dorthin wo sie gerne gesehen sind, wo sie gut leben können (da haben wir in Österreich eine großen Vorteil, besonders wenn wir die bewusst geschürte Ausländerfeindlichkeit endlich bekämpfen) wo sie sich entfalten können, und wo sie die Follower ihrer Wahl um sich scharen können. …
Wenn wir aufsteigen wollen dann müssen wir
(1) Einmal genau evaluieren wo wir ‚brave follower‘ sind, und wo intellektuelle, wissenschaftliche und innovative Leader sind. Der Maßstab darf nicht Österreichsein. Der Maßstab muß di Welt sein. Ein messen mit den World Leadern sollte in allen Bereichen zum Ziel und zum normalen Maß werden.
(2) Dort wo wir World Leader sind müssen wir unsere Position Stärken
(3) Dort wo wir nicht World Leader sind können wir es nur werden indem wir die Leader suchen, ausbilden und von außen hereinholen
(4) Es muss zu einem erklärten Ziel werden die besten Köpfe aus der ganzen Welt anzuziehen, und nach Österreich zu bringen
(5) Österreich ist viel zu klein, und eben in vielen Bereichen kein Leader. Wo sollen unsere jungen wilden sich intellektuell behaupten lernen.
Daher müssen wir unsere Besten nach außen schicken um sich dort zu bewähren, und dann zurückhohlen. Mobilität und lernen von den Leaders wird jetzt essenziell sein damit Österreich aufsteigt. Genauso muss dieses Lernen und außen Bewähren für Personen eine Voraussetzung sein um in Österreich aufzusteigen. Mobilität sollte daher eine Voraussetzung sein um aufzusteigen. (jetzt ist es leider noch immer vom Vorteil immer hier gewesen zu sein … Sprichwort Diskussion um den Kollektivvertrag … die schreckliche Angst vor ‚tenure track‘ und Evaluation etc …
(6) Für wissenschaftlichen intellektuellen Nachwuchs muss es Möglich sein möglichst früh Unabhängigkeit zu erlangen um sich zu entwickeln und dann sich aber auch genau und einem World-Leader Status entsprechende Evaluation zu stellen. Wir wollen ja von Followern zu Leader aufsteigen.