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Erleichtert mag eine Neuorientierung vielleicht durch die zunehmende Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft oder durch den global zunehmenden Wettbewerbsdruck auch bei anspruchsvollen Produkten und Dienstleistungen werden. Diese Entwicklungen legen nahe, dass man sich weiterentwickeln, eigenständige und zunehmend radikale Innovationen entwickeln muss, damit man zu den GestalterInnen und nicht zu den Getriebenen gehört.

Kommentare

Johannes Edlinger says:

Es ist interessant wie stark

Es ist interessant wie stark österreichsische Unternehmen angewandte F&E mit den Leistungen eines Ingenieurbüros verwechseln, im Gegensatz zu z.B. Schweizer Firmen. Die Wirtschaft gibt dann dieses Missverständinis an die Politik weiter und die treibt das System in Richtung Ingenieurbüro. (Drittmittelquote!)Das verhindert zum einen das Entstehen von Ingenieurbüros auf dem freien Markt und zum anderen das Entstehen radikaler Innovationen in den dafür geeigneten Institutionen.

Anton Spögler says:

Ingenieurbüros?

Ich verstehe nicht ganz, wie Sie das meinen. Die Drittmittelquote hängt doch nicht mit den Ingenierubüros zusammen, oder doch? Könnten Sie das bitte noch etwas präzisieren?!

Johannes Edlinger says:

Präzisierung

Was ist die typische Arbeit eines Ingenieurbüros? Es löst momentan existierende technische Fragestellungen mit dem momentan verfügbaren Instrumentarium bei kleinem Risiko. Damit kann man Geld verdienen. Je höher sie die Drittmittelquote setzen, desto stärker wird der Druck auf die jeweilige F&E Einrichtung, genauso zu funktionieren.
Ich fürchte daß die gut gemeinte Absicht, Forscher via Drittmittelquote zur Kommerzialisierung ihrer Resultate zu zwingen eher dazu führt daß sie nicht mehr forschen sondern Ingenieurarbeit machen. Dadurch verlieren sie dann die Aussicht auf "Breakthrough Innovations".
Das heißt nicht, daß ich gegen Drittmittelquoten bin, ich bin allerdings der Meinung das System hierzulande zu viel Ingenieurarbeit und zu wenig Forschung führt. Ingenieurarbeit ist selbstverständlich notwendiger und unverzichtbarer Teil jedes Innovationsprozesses, sie ist aber eher typisch für "Innovationsfollower".

Anton Spögler says:

Drittmittelquote

Meiner Ansicht nach ist das eine Frage der Verfügbarkeit von Budgets. In der Grundlagenforschung muss es einen ausreichend dotierten Förderfonds geben, bei dem ForscherInnen aus allen wissenschaftlichen und technischen Richtungen Projektanträge einbringen können. Mit dem FWF existiert ein solches Instrument in Österreich. Hier kann man wirklich frei von jedem Anwendungsdruck agieren. Vielleicht müßten sich die von Ihnen angeführten "Ingenieurbüros" verstärkt um Projekte in der Grundlagenforschung bemühen. Ich habe eher den Verdacht, dass es dort kein sonderlich großes Interess gibt. Daher wären m.E. gerade hierspezifische Anreizsysteme zu etablieren.

MMoschner says:

Forschung kommerzialisieren

Ich denke, wir haben hier eines der grundlegenden Übel der Forschungsverständnisses à la Austria:
"Forscher forschen - irgendwo und abgehoben - und wenn sie Glück haben, finden sie zufällig einen grossen Durchbruch/ und wenn nicht, haben sie halt kein Glück gehabt.
Ingenieure arbeiten kommerziell!"
Bitte ein wenig über die Grenzen zu gucken, oder gar zu den grossen Innovationsländern:
Ein erfolgreicher Forscher ist nur der, der in der Lage ist, seine Resultate so umzusetzen, dass damit auch Geld verdient werden kann. (Auch wenn es dazu in der Regel Partner braucht.)
Nur solche Forscher bekommen Geld/oder genauer: Forscher, denen man solches zutraut/Scheitern ist einprogrammiert.
Wieso sollte sich Risikokapital auch jemandem öffnen, der diese fundamentalen Zusammenhänge nicht zur Kenntnis nehmen will?

Prof. Dr. Karl ... says:

Selten einen solchen

Selten einen solchen Schwachsinn gelesen.

frosch says:

Kooperationen statt Konkurrenz & längere Bewertungszeiträume!

Ich halte das Konkurrenzprinzip nur bedingt dazu geeignet wissenschaftliche Kreativität zu fördern. So sind ja auch die Forschungsförderungsprogramme der EU weitgehend auf Kooperationen ausgelegt!

„…. damit man zu GestalterInnen und nicht zu Getriebenen gehört“
Großen Entdeckungen gehen oft lange Perioden mit Irrwegen voraus – ohne die es aber nie zu diesen Innovationen gekommen wäre. Der Wille der/die Beste zu sein führt nur in einem Teil der Fälle zu wirklich großen Entdeckungen. Wesentliche treibende Kraft war bei vielen Nobelpreisträgern der Vergangenheit passioniertes Interesse an ihrem Fach ohne Rücksicht auf die Lebens- und Forschungsumstände oder auf unmittelbaren Erfolg. So halte ich auch das sehr schnell-lebige System der Forschungsbewertung nach den Publikationen, die in sehr kurzen Zeitabständen erschienen sind, überdenkenswert. Große Entdeckungen brauchen oft auch längere kontinuierliche Forschungsperioden - es sollte daher nach weiteren Kriterien der Forschungsbewertung gesucht werden, die auch längere Zeiträume überspannen. Tempo ist nicht unbedingt Qualität – die beiden Parameter sind möglicherweise in gewissen Bereichen sogar negativ korreliert. Extreme Spezialisierung bringt schnelle Publikationen – allgemeiner gefasste Forschung möglicherweise mehr (gesellschafts)relevante Ergebnisse. Zu starker Zeit- und Konkurrenzdruck hemmt wissenschaftliche Kreativität und verhindert Kooperationen, die Synergien freisetzen können.