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In der Formulierung der Strategie 2020 geht der Rat von folgenden handlungsleitenden Prinzipien aus:

  • Die Vergabe von Mitteln soll prinzipiell im Wettbewerb erfolgen. (z.B. Budgetsteigerung FWF zu Lasten des GUF).
  • Es gilt, sich auf seine Stärken zu fokussieren, Bereiche mit schwacher Entwicklung sollen auslaufen.
  • Neue Strukturen und neue Themen sollen nur eröffnet werden, wenn darin mittelfristig eine „Spitzenstellung“ (Exzellenz) erreichbar ist.
  • Die Aus- und Weiterbildung der Menschen ist das wesentliche Kapital der wissensbasierten Gesellschaft
  • Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Relevanz sind übergeordnete Motive für die Forschung, Technologie und Innovation.
  • Eine global vernetzte Welt verlangt nach nationale definiertren Internationalisierungsstrategien.
  • Die Flexibilisierung der Strukturen (Governance) ist notwendig, um in einer globalisierten Welt effizient reagieren zu können.
  • Transparenz und Partizipation sind Maxime der Politikgestaltung, die die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft reflektieren.

Kommentare

Matthias Karmasin says:

Exzellenz

Es sollte klar werden, daß es um die Förderung von herausragenden Leistungen und nicht um die Föderung von Fächern geht. Also: überall dort Spitzenleistungen erbracht werden (und sei es in wirtschaftlich nicht unmittelbar relevanten Fächern) sollte finanziert werden und überall dort, wo es keine wissenschaftliche Exzellenz gibt nicht (auch wenn es sich um vermeintlich "nützliche" Bereiche handelt)

Exzellenz says:

exzellenz fördern

im prinzip haben sie recht. ich finde aber, exzellenz darf dort nicht das einzige kriterium bleiben, wo es darum geht gesellschaftlich wichtige probleme zu lösen. dort sollte der aspekt wissenschaftlicher problemlösungskapazität mindestens ebenso zentral sein.

ulrike kozeluh says:

Bereiche mit "schwacher Entwicklung"

... damit wären wir bei den Qualitäskriterien. Die Diskussion der Mess- und damit Vergleichbarkeit unterschiedlicher Disziplinen und ihrem Output läuft noch. Die Messbarkeit Wissenschaftlicher Exzellenz ist in allen Disziplinen machbar. Gesellschaftliche/politische Relevanz ist aber ebenso, wenn auch unterschwelliger, Messkriterium und hat unmittelbare Auswirkungen auf Fördergelder. Die weiterführende Frage müsste also lauten: wer bestimmt Relevanz, und in welchem Gremium?

Helmut Haberl says:

Wettbewerb ist schon gut, aber...

... alleinseligmachend auch nicht.

Der FWF ist hervorragend geeignet, einen ganz bestimmten Typ Forschung zu fördern, nämlich die 'curiosity driven', 'hypothesis-driven' akademische Grundlagenforschung. Das macht er außerordentlich gut. Das ist wertvoll, soll beibehalten und ausgebaut werden. Wir brauchen mehr davon, keine Frage!

Ein Wermutstropfen dabei: Da beim FWF ein einziges (!) negatives Gutachten genügt, um ein Projekt abzuschießen, ist es kaum möglich, Projekte zu kontroversen Fragen durchzubringen, 'crazy deviant ideas' zu fördern. Es braucht einen Mechanismus, derartige hoch riskante - viele crazy deviant ideas sind wohl wirklich verrückt und scheitern -, aber unter Umständen eben auch besonders innovative Projekte - ein paar dieser devianten Ideen sind genial und bringen den Durchbruch! - zu fördern. Das geht mit peer review nicht.

Hier besteht m.E. für die Grundlagenforschung wichtiger Handlungsbedarf!

Dazu kommt: Der FWF ist nicht gut geeignet, gesellschaftliche Relevanz als wichtiges Kriterium zu verankern. Hierfür ist peer-review kein geeignetes Prinzip, hier benötigt es demokratisch legitimierte politische Entscheidung. Anders gesagt, thematisch orientierte Programme, die wichtige Zukunftsthemen ausschreiben und dabei auch gleich bestimmte Forschungsprinzipien (inter- und transdisziplinarität, Gender, Kooperation mit Kunst, Bildung usw) stärken.

Raggautz says:

Wettbewerb ja aber

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht! Ihre Einschränkung gilt im übrigen nicht nur für den FWF, sondern auch für die EU-RPs. Hier werden generell tendenziell "mainstream-projekte" mit nur kurz- und mittelfristigen Fokus gefördert (vgl. Laufzeiten), und nicht die langfrsitigen und/oder alternativen Ansätze.
Auch gibt es in den Geistewissenschaften ausreichend Beispiele, dass exzellente Forschung fast ausschließlich mit den Grundmitteln der Universität (insbesondere Literatur- und Reisemittel) möglich ist. Diese Art der Forschung wird durch eine Änderung der Finanzierung hin zum FWF wohl unterbunden werden.

Jörg Schmiedmayer says:

Exzellenzförderung

Ich stimme zu, dass es sehr wichtig ist high rist-high gain zu fördern.

Ich kann dem oben gesagten bez FWF ud EU aber nur bedingt zustimmen. Gerade bei FWF und EU wird im allgemeine sehr genau geachtet ob das einfach "brav" weiterforschen (das ist ein minus) oder innovativ, riskant und high risk - high gain ist. So habe ich es zumindest erlebt, als Antragsteller, als evaluator, und in der Definition der Programme im FP6 und FP7

Bild von Rainer Hasenauer
Rainer Hasenauer says:

mittelfristige Erreichbarkeit von Excellenz

Diese Forderung ist zwar verständlich, wie kann ihre Einhaltung jedoch erreicht werden? Ich verstehe die Eröffnung "neuer Strukturen" als Initiieren neuer Forschungsfelder und neuer Resourcen dafür. Je radikaler diese sind, desto unsicherer wird die mittelfristge (Wielange ist mittelfristig?) Erreichbarkeit von Excellenz (welche Kriteren?) sein. Wenn jedoch die Unsicherheit von den budgetvergebenden Instanzen als hoch eingeschätzt wird, werden radikale Forschungsfelder nicht ausreichend gefördert. ("institutionelle Ungeduld", "Institutionelle Risikoscheuheit" der öffentlichen Hand). Wenn es so ist, daß inkrementelle Innovationen näher am privatwirtsaftlichen Kapitalgeber angesiedelt sind, dann müssten readikale Innovationen näher am gemeinswirtschaftlichen Risikokapital angesiedelt sein.

Gudrun says:

präzisieren

"Es gilt, sich auf seine Stärken zu fokussieren, Bereiche mit schwacher Entwicklung sollen auslaufen":
Was wird unter"schwacher Entwicklung" verstanden? Welche Indikatoren werden herangezogen?

"Die Aus- und Weiterbildung der Menschen ist das wesentliche Kapital der wissensbasierten Gesellschaft Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Relevanz sind übergeordnete Motive für die Forschung, Technologie und Innovation"
Das sind 2 verschiedene Aspekte, also bitte trennen
Klärung, wei Nachhaltigkeit hier verstanden wird: rein ökonomisch (wie es sich immer mehr im Sprachgebrauch einbürgert) oder in allen drei Dimensionen.

"Eine global vernetzte Welt verlangt nach nationale definiertren Internationalisierungsstrategien."
Also "hohler" gehts nimmer.....

helmut gassler says:

Zitat: "Es gilt, sich auf

Zitat: "Es gilt, sich auf seine Stärken zu fokussieren, Bereiche mit schwacher Entwicklung sollen auslaufen." (Zitatende)

IMHO ist diese Formulierung sehr angreifbar und sollte überdacht werden. Zunächst bleibt begrifflich vieles offen:

Was ist ein Bereich? (Aggregattiefe ?)
Was heisst schwach? (unterdurchschnittlich im Vergleich zum Österreich-Schnitt / im internationalen Vergleich etc. ?)
Was heisst auslaufen? (Aufgabe aller Tätigkeiten ?)

Und letztlich ist es auch möglich das konzeptionell zu hinterfragen? Warum sollte man grad an den Stärken ansetzen? Die funktionieren offensichtlich ja ohnehin ... Was, wenn sich herausstellt, dass die Stärken in "bedeutungslosen" Bereichen zu finden sind, während die Schwächen grade in als Zukunftsfelder eingestufte Bereiche gegeben sind etc.

Im Übrigen ist es bei Verbesserungsprozessen nicht unüblich grade an den Schwächen anzusetzen und diese abzubauen (z.B. ist das eine erfolgreiche Trainingsstrategie in wohl vielen Sportarten).

Man hüte sich also vor allzu griffigen und auf den ersten Blick offensichtlichen "Schlagwörtern" (Stärken stärken ...).

Bild von Markus Pasterk
Markus Pasterk says:

Handlungsleitendes Prinzip mehr Wettbewerb

Ich stimme dem Prinzip mehr Wettbewerb grundsätzlich zu. Ob eine Budgetsteigerung jedoch zu Lasten des GUF gehen soll, ist eine ganz andere Frage. Der FWF fördert bzw. kann nur eine ganz bestimmten Teil der Forschung an unseren Universitäten fördern und das sollte wohl auch ausgebaut werden. Es gibt aber viele Bereiche, die nach der derzeitigen Struktur des FWF-Prozessen nicht förderbar sind. Errichtung und Erhalt von Infrastruktur ist ein Bereich, langfristige Forschungprojekte ein anderer. Das wird zur Zeit aus dem GUF bezahlt. Ich pädiere für eine stärkere Qualitätskontrolle des GUF und für eine Trennung des Lehr- vom Forschungsbudget (siehe Kapitel 49). Die Wettbewerbssteigerung sollte daher sowohl ausserhalb als auch innerhalb des GUFs erfolgen.