28

„Menschen“ & „FTI und Gesellschaft“

Forschung in Österreich definiert sich durch die Menschen, die sie leisten. Jedes monetäre Ziel der strategischen Politikgestaltung muss sich an der Verfügbarkeit von qualifiziertem Humankapital ausrichten. Aus diesem Grund sind Maßnahmen im Bereich der Humanressourcen und des Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft von zentraler Bedeutung für das österreichische FTI-System. Die beiden Strategieelemente „Menschen“ und „FTI und Gesellschaft“ befassen sich mit der strategischen Planung der Humanressourcen-Entwicklung bzw. den entsprechenden Rahmenbedingungen auch in Zusammenhang mit dem Dialog von Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Kommentare

peppino4 says:

Mensch als Zweck, im Zentrum oder Menschenmaterial?

Die Formulierungen schwanken zwischen einer ausbeuterischen Haltung, die den Menschen als "Ressource" und als "Kapital" bezeichnet, und einer humanistischen, die ihn ins Zentrum stellt. Der Verdacht liegt nahe, dass Letzteres nur der legitimierende, weil "gute" Vorsatz ist. Vielleicht könnte hier angemessen formuliert und auf den Menschenmaterialjargon verzichtet werden, sodass der erste Satz auch glaubhaft ist?

Bild von zecke
zecke says:

Mensch als Zweck

Mir ist das auch schon aufgefallen, dass im ganzen Text nur instrumentelle Logik am Werk ist, die als übergeordnete Ziele lediglich die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit kennt.

Beiläufig wird darauf hingewiesen, dass letztlich der ganze technische Fortschritt den Menschen zu Gute kommen soll, obwohl diese hierzulande nicht in der Lage sind, dies zu erkennen. Deshalb werden awarenesssteigernde Maßnahmen empfohlen.

Das mag für Teile des Systems der richtige Zugang sein. Es zeugt aber von einem Wissenschaftsverständnis, das außerhalb rein technischer Disziplinen auf wenig Verständnis stossen sollte.

Thomas Lindenthal says:

Humankapital

Neben der klassischen Sichtweise von „human capital“ und seiner wissensbasierten Dimension („bessere Qualifikation“) als Voraussetzung für Spitzenforschung, ist es zwingend erforderlich, die psychosoziale Dimensionen des Menschen in die Betrachtung mit einzubeziehen. Hierher gehören psychisches Wohlbefinden, Stärkung von Interessen, Motivation und soziale Kompetenzen (u.a. Qualifikationen / Fähigkeiten zu Kooperation und Konfliktbewältigung), individueller Freiraum aber auch der Umgang mit Sicherheitsbedürfnis und individuellen sowie kollektiven Ängsten. Auch die Sicherung des sozialen Friedens ist ein wichtiges Forschungsfeld an sich. Diese Bereiche sind eindeutig nicht grundlagenwissenschaftlicher oder technologischer Art und auch nicht nur rein bildungswissenschaftlicher Art. Sie bilden wie die ökologischen und ökonomischen Aspekte der Nachhaltigkeit die Voraussetzungen für überhaupt zukunftsfähige Entwicklung. Ein Strategiepapier für Forschung der Zukunft müsste diese psycho-sozialen Bereiche unbedingt enthalten!

m.klug says:

Erschließung von Humankapital

Die Formulierung muss auch implizieren, dass Humankapital duch entsprechende Verantwortliche überhaupt freigelegt wird. Es nutzt nichts, wenn die besten Personen zusammen sitzen, aber kein Bestreben zeigen, ihrerseits sich auch einzubringen. Diesbezüglich ist es notwendig, im gleichen Atemzug mit dem Dialog mit der Gesellschaft (extern) auch die Führungskompetenzen der verantwortlichen Forschungsmanager (intern) zu betrachten.