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Dabei mangelt es nicht grundsätzlich am Interesse der ÖsterreicherInnen an Erfindungen, Technologien und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Laut Vergleichserhebungen liegt dieses nur leicht unter dem europäischen Durchschnitt (siehe Abbildung 3). Allerdings ist die Meinung, dass man „im täglichen Leben … kein Wissen über Wissenschaft“ benötigt, deutlich öfter als im Rest Europas zu finden. Die Bereitschaft, sich mit Petitionen und Demonstrationen „gegen Atomkraft, Gentechnologie und für Umweltschutz“ an der Diskussion dieser Themen zu beteiligen, ist hierzulande deutlich über dem europäischen Schnitt, wohl auch weil Konsultations- und Dialogverfahren in Zusammenhang mit Wissenschafts- und Technologiepolitik wenig Tradition haben. „Wissenschaftlich-technische Entwicklungen wie etwa Gentechnik und Nanotechnologie wurden und werden in erster Linie als Projekte der im Förderungsbereich institutionalisierten Eliten betrieben und die Involvierung der Öffentlichkeit, aber auch des Parlaments, wird der Tendenz nach vermieden.“

Kommentare

peppino4 says:

Neuerungszwang

Vielleicht kann je die Ansicht, dass Wissenschaft das Leben zu schnell verändert, ernst genommen und nicht als bloßer Wissenschaftskommunikationsfehler betrachtet werden! Es gibt, wenn der Mensch und die Gesellschaft, also das Zusammenleben, tatsächlich im Mittelpunkt stehen, durchaus auch Felder, die entwickelt werden können, ja müssen, ohne dass sie mit technologischer Innovation einhergehen müssen: Konfliktforschung und -lösung allen voran.

Helmut Haberl says:

Das ist schon sehr entlarvend...

... wie hier die überproportionale Bereitschaft der ÖsterreicherInnen, gegen Atomkraft oder Gentechnik zu demonstrieren, als Indikator für Wissenschaftsfeindlichkeit interpretiert wird!

Ich halte das nicht für Indikatoren von Wissenschaftsfeindlichkeit, sondern sehe es als einen Hinweis darauf, dass eben nicht alle denkbaren Entwicklungsrichtungen, die Wissenschaft und Forschung aufzeigen, als Qualitätsverbesserung gesehen werden. Gut so! Nicht alles, was gemacht werden kann, sollte auch gemacht werden. Und es gibt gar keinen Grund, anzunehmen, dass derartige Fragen in erster Linie von WissenschafterInnen entschieden werden sollten.

Nein, Wissenschaft muss sich der öffentlichen Diskussion stellen, und sie darf dabei nicht davon ausgehen, dass alle anderen deppert sind.

frosch says:

So eine unwissenschaftliche Unterstellung!

Zu behaupten, dass ein niedrigeres Interesse an der Forschung dazu führt, dass ÖsterreicherInnen sich häufiger als andere EU-Bürger an Petitionen gegen Atomkraft, Gentechnologie und für Umweltschutz beteiligen ist eine unzulässige Unterstellung! Schon aus rein wissenschaftlicher Sicht kann man aus gleich- oder gegenläufigen Trends in verschiedenen Bereichen nicht darauf schließen, dass diese ursächlich zusammenhängen (dies gilt übrigens auch für andere Bereiche dieses Entwurfs z.B. Pkt. 3.36)!
Vielleicht ist es zumindest in den angesprochenen Bereichen gerade umgekehrt: dass dies die Bereiche sind, in denen Wissenschaftler hierzulande mehr als sonst und anderswo mit der Bevölkerung kommunizieren – und Österreich da sogar eine Vorreiterrolle einnimmt? Vor all den Volksbegehren und Petitionen gab es immer Diskussionen in denen sowohl die eine als auch die andere Seite zu Wort kam – also umfassende Information der Bevölkerung angeboten wurde – so könnte man das Engagement vieler Menschen auch geradezu als visionär betrachten …

stefang says:

INNOVATION

Eine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber technologischen Entwicklungen, die ohne greifbaren Nutzen sind sollte nicht damit verwechselt werden, Forschung in dieser Richtung weiter betreiben zu dürfen.
Wenn es heute bislang keine nützliche Anwendung von grüner Gentechnik gibt, bedeutet das nicht, dass vielleicht in 10 Jahren eine für diese Technik entwickelt werden könnte.
Insofern muss hier eine klare Linie gezogen werden zwischen der Anwendung einer Technologie, die einer politischen als auch einer gesellschaftlichen Diskussion bedarf einer seits.
Und der Grundlagenforschung andererseits (embryonale Stammzellen, grüne Gentechnik, Nanotechnologie), die einen gesellschaftlichen Konsensus verlangt, der aber nicht von einem potentiellen oder existierenden Nutzen abhängen darf.
Ein gutes Beispiel ist hier die rote Gentechnik, die aufgrund ihres potentiellen medizinischen Nutzens mit einer enormen Erwartungshaltung ausgestattet praktisch ohne Disklussion ihrer Vor- und Nachteile ijn Ö etabliert wurde.
Hier empfinde ich besteht ein Defizit in Österreich, weder gibt es die geeignete Tradition, noch die Strulturen die Gesllschaft von der Sinnhaftigkeit einer Forschungsrichtung zu überzeugen, noch mit Forschern die zu akzeptierenden (ethischen etc.) Grenzen einer Gesellschaft zu definieren.

Gudrun says:

Suggestiver Absatz

Die suggestive Herstellung des Zusammenhanges zwischen der " Die Bereitschaft, sich mit Petitionen und Demonstrationen „gegen Atomkraft, Gentechnologie und für Umweltschutz“ an der Diskussion dieser Themen zu beteiligen" mit
a) fehlendem Wissen über Wissenschaft
b) wenig Dialog in Zusammenhang mit Wissenschafts- und Technologiepolitik

ist abzulehnen!

Zeigt sich hier trotz des an vielen Stellen stets wiederholtenen Mantras "Partizipation der Öffentlichkeit ist ganz wichtig" die wahre Einstellung der AutorInnen ("wärt Ihr durch die Wissenschafter besser informiert, würdet ihr die Vorteile von Atomkraft etc. schon verstehen")?

akos kaszoni says:

Kleine Anmerkung

Wie bereits aus den getätigen Kommentaren zu erkennen ist, wurde eine 'kernige' Formulierung einer Thematik gewählt.
Grundsätzlich kann man der Aussage zustimmen kann, dass über wissenschaftliche Entwicklungen und deren Implementation in das öffentliche Leben die Gesellschaft in ihrer gesamten Breite teilnehmen sollte. Allerdings hat man bei Betrachtung der üblichen öffentlichen Diskussionen und Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit das Gefühl, dass die vertreten Meinungen nicht selten auf Unwissenheit, Unsicherheit und dadurch bedingt Angst beruhen. In dieser Hinsicht spielt die Frage der entsprechenden Ausbildung im schulischen Bereich sowie das Wecken des persönlichen Interesses für die entsprechenden Themen eine entscheidende Rolle.
Die zitierte Eurobarometer-Umfrage beinhaltet leider eine kleine Einschränkung, weil die Frage 'gegen Atomkraft und Biotechnologie' mit 'für Umweltschutz' gekoppelt ist und damit bereits in der formulierten Frage eine Gegensätzlichkeit impliziert, die nicht zwangsläufig gegeben sein muss. So kann sowohl 'die Biotechnologie' als auch 'die Kernenergie' einen positiven Beitrag zum Umweltschutz liefern, wenngleich sie natürlich nicht risikolos sind.

Thomas Lindenthal says:

Technologieakzeptanz

Einseitig, unfundiert und kurzsichtig ist, wie in diesem Papier ist wie das Thema Technologieakzeptanz (Absatz 68), das auch den Aspekt Risiko enthält, auf ein Wissensdefizit der Gesellschaft reduziert (Absatz 67) und die in Österreich stärker ausgeprägte Demonstrations- und Diskussionskultur im Bereich Umweltthemen völlig einseitig als Schwäche dargestellt (Absatz 68)! Das zeigt wie wenig die im Kapitel „Ethik und Moral“ festgehaltenen Prinzipien im Papier durchgehalten werden und konterkariert den Anspruch des Papieres auf betrübliche Weise.