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In Österreich sind die Wissenschaftskommunikation sowie partizipative Diskussions- und Gestaltungsverfahren aufgrund von Diskontinuitäten in der Wissenschafts- und FTI-Kommunikation, dem Fehlen zentraler AkteurInnen (z.B. Stiftungen, Universitäten und Museen/Science Centers) sowie einer bedenklichen Nähe des geforderten „echten“ Dialogs zu den alltäglichen Interessen der Politik deutlich unterentwickelt. Die offizielle Rhetorik des Vermittlungsbedarfs von Wissenschaft und FTI wird durch die Begriffe „awareness“, „Akzeptanzförderung“ und „Nachwuchsförderung“ dominiert. Der Dialog mit den BürgerInnen wird zwar immer wieder gefordert, es lässt sich jedoch eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit feststellen. Das „selling Science“ steht immer noch deutlich im Vordergrund.

Kommentare

peppino4 says:

selling science bis hin zur Propaganda

Diese Praxis und die dazugehörende, sich selbst reproduzierende, Evaluierungsindustrie senkt das geistige und wissenschaftliche Niveau massiv und erhöht das zuweilen niederträchtig hochstaplerische Auftrumpfen, das mit sportlich-fairer und ansporndender Konkurrenz nichts mehr zu tun hat.

MMoschner says:

Selling Science

Mir graut auch vor all den Wettbewerben zu Innovation etc.etc
Meistens Rechtfertigungsstätten für Selbstdarsteller in Politik & Verwaltung & an deren Rockschürzen hängender Berater
Seriöse Information wäre aber schon wünschenswert - man nehme Anleihen im Westen!

Barbara Streicher says:

bedenklicher dialog

was ist mit "bedenkliche Nähe des geforderten "echten" Dialogs zu den alltäglichen Interessen der Politik" gemeint?

Dieser Absatz scheint mir irreführend formuliert bzw. das Gegenteil auszusagen von dem, was gemeint ist.

Wenn Wissenschaft wirklich wichtig ist, dann sollte sie doch sehr wohl zu den (alltäglichen) Interessen der Politik gehören. Insofern wäre ein echter Dialog dazu sehr wünschenswert und gar nicht bedenklich.

Gemeint ist vermutlich, dass der Dialog - so er überhaupt geführt wird - für Eigeninteressen der Politik missbraucht wird.

Wäre das dann nicht "unechter" Dialog? (und warum eigentlich Anführungszeichen?)

stefang says:

Partizipation

Die Kultur der "Podiumsdiskussion", in der sich ein schweigendes Publikum an einer Expertendiskussion ehrfürchtig und passiv beteiligt ist zu überwinden.
Dazu gibt es viele kleine und gute Ansätz in Ö, die in die richtige Richtung gehen. Daneben stehen "politiknahe" top-down Ansätze, die mit zum Teil enormen Mitteln, die Passivität der Gesllschaft in Österreich fortschreiben.
Der Hang zur politischen Kontrolle der Mittel, und den zu erzeugenden Mitnahmeeffekten der beteiligten Ministerien und Politker ist in vielen Aktionen zu spüren.
Die Entwicklung funktionierender partizipativer Ansätze für Österreich braucht einen Schwerpunkt.
Und neben dem deutlichen Bekenntnis der Politik für Wissenschaft und einer adäqute Wissenschaftskommunikation, dedarf es einer politikunabhängigen Förderung von Wissenschaftskommunikation im bottom-up Prinzip.

Schefbeck says:

Welche Partizipation?

Defizite der Kommunikationskultur zu thematisieren, scheint mir besonders wichtig; die im vorgeschlagenen Text verwendeten Formulierungen lassen es jedoch zum Teil an Präzision ermangeln: Ich liebe das Wort "Diskontinuität", aber was bedeutet es im konkreten Zusammenhang? Wenn vom "Fehlen zentraler AkteurInnen" die Rede ist, dann ist wohl nicht deren Fehlen an sich, sonder deren mangelnde Einbindung in bestimmte Prozesse gemeint, aber in welche? Auf die Frage der "Echtheit" eines Dialogs ist bereits Barbara Streicher eingegangen; aus dem Umstand, dass das Attribut unter Anführung gesetzt ist, schließe ich, dass den Textautorinnen bzw. -autoren selbst die Unschärfe der Begriffsverwendung bewusst gewesen ist.
Was schließlich sind die "alltäglichen Interessen der Politik"? Da von "Interessen der Politik" und nicht etwa von "politischen Interessen" oder von "in den Strukturen des politischen Systems verfolgten gesellschaftlichen Interessen" die Rede ist, scheint mir eine Konnotation mitzuschwingen, die "der Politik" im Sinne parteipolitisch fundierter Strukturen Eigeninteressen zuschreibt, die dann gemeinhin reduktionistisch mit Machterwerb und Machterhalt identifiziert werden (was ja auch nicht von vornherein zu verurteilen wäre). Wenn aber doch, wie dies Barbara Streicher annimmt, mit den "alltäglichen Interessen der Politik" die auf der täglichen politischen Agenda stehenden Querschnittsmaterien gemeint sind, dann ist ganz vehement in die Kerbe zu schlagen, die meine Vorkommentatorin bereits gehauen hat: Forschung als eine solche Materie zu betrachten, die in den verschiedensten singulären Zusammenhängen Beachtung verdient, erschiene auch mir in höchstem Maße wünschenswert - ein "research mainstreaming", sozusagen!
Wichtigste Aussage des Abschnitts scheint mir aber die Einforderung partizipativer Strukturen auch für den Bereich der Forschungspolitik. Wenn wir zumindest in mittel- und langfristiger Perspektive die partizipativen Komponenten des politischen Systems als stärkungswürdig ansehen, dann ist davon naturgemäß auch die Forschungspolitik, gerade in der Betrachtung als Querschnittsmaterie, umfasst. Die konkreten Formen der Partizipation werden dem Gegenstand anzupassen sein - und so würde ich mir wünschen, dass auch in diesem Text der abstrakte Partizipationsbegriff kontextspezifisch konkretisiert würde, zumindest in exemplarischer Weise. Gute Beispiele würden etwa die vom dänischen bzw. vom norwegischen Technologierat entwickelten partizipativen Instrumente zu Beurteilung der präsumtiven gesellschaftlichen Auswirkungen technologischer Entwicklungen bieten.