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Angesichts der Tatsache, dass sich mit der rapiden Zunahme des Wissens unsere Handlungsoptionen zur Gestaltung der Welt vervielfachen, wird es zunehmend wichtiger, sich damit auseinander zu setzen, welches Wissen wir brauchen und wie wir unser von den Wissenschaften und der Forschung erzeugtes Wissen verwenden (wollen). Das immer noch gängige Wissen(schafts)modell, welches Wissen strikt von seiner Anwendung trennt, muss demnach kritisch hinterfragt werden, vor allem auch auf Seite der WissenschafterInnen und ForscherInnen. Zu begrüßen ist daher aus Sicht des Rates die Initiative des Joanneum Research, wo eine Arbeitsgruppe „Ethik in Wissenschaft und Technologie“ eingesetzt wurde – mit der Aufgabe der Entwicklung einer Ethik-Charta, welche die „Einordnung der Ziele und Methoden von Forschung und Technik in auf das Ganze des menschlichen Lebens gerichtete Perspektiven“ zur Grundlage hat.

Kommentare

Schefbeck says:

Verantwortungsethik

Dem Gesagten ist zuzustimmen (die Abwesenheit von Kommentaren interpretiere ich einmal als Ausdruck von Zustimmung). Im konkreten Zusammenhang erscheint es mir jedoch immerhin erwähnenswert, dass Max Weber seine Differenzierung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik (die wir hier analog in der Differenzierung von wissenschaftlicher Redlichkeit und wirkungsorientierter wissenschaftlicher Verantwortung wiederfinden) anhand der handlungsleitenden Motive des Politikers herausgearbeitet hat - gerade in der Forschungspolitik, wo die politische Gemeinschaft steuernde Verantwortung für die Gegenstände und Ziele von Forschung übernimmt, scheinen mir die Herausforderungen zu konvergieren, scheint mir ein, um bei Webers Begrifflichkeit zu bleiben, geradezu idealtypisches Beispiel für die Herausforderung der Verantwortungsethik vorzuliegen. Damit aber wird der Gedankengang wieder zurückgeleitet zum Kernproblem der Verantwortungsethik, nämlich zur Abschätzung und Bewertung der präsumtiven Folgen des eigenen Handelns, und es schließt sich der Kreis zur Technologiefolgenabschätzung als einer Vorbedingung sachgerechter forschungspolitischer Willensbildung.