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Der Anteil der öffentlichen Aufwendungen an den gesamten F&E-Investitionen ist dabei – im Zeitraum 1995-2005 - zurückgegangen und machte zuletzt 35 bis 37 Prozent aus. Demgegenüber haben die Unternehmen ihre Aufwendungen deutlich stärker gesteigert als die öffentlichen (Abb. 4). Damit wurde ein weiteres Barcelona-Ziel beinahe erfüllt, nämlich ein 1:2-Verteilung zwischen öffentlichen und privaten Quellen. Diese dynamische Entwicklung der Unternehmensforschung at sich als Hauptstütze der steigenden F&E-Aufwendungen und der Annäherung an das 3%-Ziel erwiesen. Dies ist nicht nur auf die Ausweitung der F&E-Förderung, besonders der steuerlichen Förderung, zurückzuführen, sondern auch auf eine Vielzahl anderer Faktoren, etwa. das Investitionsklima oder der Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen.

Kommentare

peppino4 says:

Ambivalenzen

Der Einfluss der vornehmlich auf Kapitalgewinnmaximierung ausgerichteten Konzerne auf die Prioritäten in Forschung und (wissenschaftlicher wie auch gesellschaftlicher) Entwicklung ist unbedingt kritisch zu hinterfragen. Dies muss gerade angesichts der Krise zu einer Neuorientierung führen. Nur interdisziplinäre sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung bringt realistische, neue und zugleich nachhaltige Lösungsperspektiven sowie -ansätze für gesamtgesellschaftliche Krisen hervor, für gesellschaftlich und demokratisch relevante Wissenschaftsentwicklung etc.. Diese Forschung wird aber weder von Konzernen und Unternehmen (siehe unten §144, Abb.) noch von Wirtschaftsfonds finanziert. Diesem höchst problematischen Umstand ist in der Gewichtung der Anteile von "privat" und "öffentlich", aber auch von Technikforschung und sozial-/kulturwissenschaftlicher Forschung, Rechnung zu tragen.

CSteinwender says:

Komplementarität von privater und öffentlicher Finanzierung

Forschungsfinanzierung von Unternehmen ist nicht nur negativ zu bewerten - natürlich haben Unternehmen eher Interesse an anwendungsorientierter Forschung, die ihre Gewinne steigern, was jedoch durchaus positive volkswirtschaftliche Auswirkungen, z.B. auf Beschäftigung (z.B. bei Produktneuentwicklungen), die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von österreichischen Unternehmen, etc. hat.
Andere Forschungsbereiche (z.B. Grundlagenforschung/sozial-/kulturwissenschaftliche Förderung) sind aber natürlich auch wichtig und kann von Unternehmen nicht gefördert werden, daher braucht es hier öffentliche Finanzierung. Ich sehe daher öffentliche und private Finanzierung als komplementär. Im Sinne einer kohärenten Forschungsstrategie sollte diese Komplementarität bei der Verwendung von öffentlichen Mitteln berücksichtigt werden, dh. private Forschung sollte bestärkt werden, und durch öffentliche Mittel in andere Forschungsgebiete, die nicht so stark privat gefördert werden, ergänzt werden.