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Die Bedeutung von Schwerpunktsetzungen in der FTI-Politik nimmt weltweit zu. Auf nationalstaatlicher Ebene sind Länder wie die USA, Frankreich oder Japan Vorreiter bei Schwerpunktsetzungen und in der missionsorientierten FTI-Politik. Doch auch in der EU gibt es entsprechende Aktivitäten. So hat das European Research Advisory Board (EURAB) in Zusammenhang mit der Konzeption des 7. EU-Rahmenprogramms empfohlen, Schwerpunktthemen auf Basis missionsorientierter strategischer Forschungsaktivitäten wie den Joint Technology Initiatives stärker zu fokussieren. Die EU-Kommission sieht es als unerlässlich an, von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam ermittelte thematische Schwerpunkte zu identifizieren und in der Praxis zu entwickeln.

Kommentare

Matthias Karmasin says:

Schwerpunkte

s.o.: Schwerpunkt sollten sich nach Exzellenz nicht nach vermuteter Nützlichkeit richten

Anton Spögler says:

Exzellenz bei Schwerpunkten

Es stimmt schon. Qualität sollte bei Schwerpunktsetzungen auch eine Rolle spielen. Aber sind Sie nicht der Ansicht, dass es auch Fälle gibt, wo es um die gesellschaftliche Relevanz von Fragestellungen geht, weshalb dort der Fokus eben in erster Linie auf der Nützlichkeit und dann erst auf der Qualität liegen sollte?

Matthias Karmasin says:

Stimmt; präziser formuliert

Stimmt; präziser formuliert sollte es heißen: vermutete ökonomische Nützlichkeit. Ich gehe davon aus, daß Wirtschaft ein wesentlicher Sektor unserer Lebenswelt ist, aber eben nicht der einzige und schon gar nicht der einzig in diesem Kontext relevante. Wenn mit Nützlichkeit Beiträge zu Werten wie gesellschaftlicher Fortschritt, Kultur, Aufklärung, Gerechtigkeit, Wahrheit gemeint sind , dann immer!

Matthias Weber says:

JTIs und Missionsorientierung ?

Qualität sollte eigentlich immer ein wichtiges Kriterium sein. Es stellt sich allerdings doch die Frage, ob zusätzlich zumindest für einen Teil der öffentlichen Fördermaßnahmen nicht doch auch Relevanzkriterien zur Fokussierung sinnvoll wären.

In Bezug auf die zukünftigen Schwerpunktsetzung auf europäischer Ebene (sei es im Rahmen von JTIs oder neuen Formen des Joint Programming) wird zunehmend das Konzept der "Grand Challenges" herangezogen, das im Gegensatz zu den European Technology Platforms (und den daraus entstandenen JTIs) gesellschaftliche (im Gegensatz zu wissenschaftlich-technologischen) Herausforderungen für die Bestimmung von "Missionen" in den Vordergrund rückt, auch um Forschungsagenden auf nationaler und europäischer Ebene besser aufeinander abzustimmen.

Hieraus ergibt sich die Frage, ob dies auch Konsequenzen für die Art der Schwerpunktsetzung in Österreich nach sich ziehen sollte. Brauchen wir in Zukunft eher eine Stärkung von Schwerpunkten vom Typ "Grand Challenges/neue Missionsorientierung" ?

Bild von johannes gadner
johannes gadner says:

nationale und internationale Forschungsagenden abstimmen

Die - in Zukunft immer wichtiger werdende - Abstimmung zwischen nationalen und internationalen Forschungsagenden ist ein wichtiger Aspekt in Zusammenhang mit Schwerpunktsetzungen. Im Strategieelement "Schwerpunkte" findet er Ausdruck in der Empfehlung 9.7 (§ 159). Er wird aber auch im Strategieelement "Internationales" aufgegriffen und in entsprechenden Empfehlungen (ab § 260) konkretisiert.

Jörg Schmiedmayer says:

Schwerpunktsetzung

Schwerpunktsetzung kann 2 verschiedene Ziele haben:

(1) Das ist ein wichtiger Schwerpunkt, und da machen wir brav mit. Dann werden wir bestenfalls Innovation follower bleiben.

(2) Schwerpunkte sind getrieben von den Leadern. Dann richten sie sich nach Personen und Personengruppen. Nur so haben wir Chance zu den Leadern aufzusteigen.

Erfolgreiche Schwerpunkte in Wissenschaft und Innovation werden zuerst einmal von den daran beteiligten Köpfen getrieben. Innovation Leadership wird von Köpfen geschaffen und vorangetrieben, von Köpfen die andere mitziehen. Das kann mann/frau nicht verordnen von oben herab, das kann mann/frau nur von unten her aufbauen … in dem man in Österreich lebende internationale World Leader fördert, oder in dem man World-Leader hereinbringt die anderen mitziehen.

Da fehlt es in vielen Belangen in Österreich. Im speziellen die mangelnde Mobilität und Offenheit ist ein sehr großes strukturelles Problem. Das in Österreich kleben bleiben, das nach einer‚ planbaren Karriere schreien ist fatal. Innovation Leader die Schwerpunkte tragen können wollen die Möglichkeiten, die hierzulande leider zu oft durch solche ‚Planbare Karrieren‘ zugepflastert und verhindert wurden. Innovation Leader tragen ihre Schwerpunkte dorthin wo sie gerne gesehen werden, wo sie gut leben können (da haben wir in Österreich eine großen Vorteil, besonders wenn wir die bewusst geschürte Ausländerfeindlichkeit endlich weg bekommen) wo sie sich entfalten können, und wo sie die Follower ihrer Wahl um sich scharen können. …