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Im internationalen Vergleich ist die Situation in Österreich durch niedrige Abschlussraten und durch die geringe Attraktivität von wissenschaftlichen Karrieren geprägt. Alleine an den Wiener Universitäten ist nahezu die Hälfte aller ForscherInnen nur aufgrund von befristeten Verträgen mit einer Maximaldauer von sechs Jahren beschäftigt.. Die Einigung auf einen Kollektivvertrag für wissenschaftliche Mitarbeiter im Universitätssystem ist jetzt ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Attraktivität von wissenschaftlichen Karrieren.

Comments

peppino4 says:

DoktorandInnenstipendien

Wenn dieser Bereich nicht breit ausgebaut wird, wird das alles nichts.

Wolfgang Eppens... says:

DoktorandInnen-Förderung

Da muß man vorsichtig sein:

Was ist ein Stipendium für Sie? Einfach nur eine Summe monatlich bar auf die Hand, ohne soziale Absicherung, ohne Rechte, also einfach Doktoratsstudierende als Studierende wie auf Masterstufe?

Das kann nicht der richtige Weg sein, wenn wir den Forschungsstandort Österreich attraktivieren wollen. Also ja zum Ausbau der DoktorandInnen-Förderung, aber mit dem Leitbild "DoktorandInnen sind ForscherInnen", d.h. soziale Absicherung z.B mit ordentlicher Anstellung, und DoktorandInnen sollen in allen Belangen innerhalb der Institution also ForscherInnen betrachtet werden.

Ulrich-Schubert says:

Kollektivvertrag

Der Kollektivvertrag ist in Teilen ein Rückschritt in die 80er und 90er Jahre. Er wird zu einer erneuten Verkrustung des wissenschaftlichen Personals an den Universitäten führen. Es sei denn es werden Leistungsevaluierungen nach internationalen Maßstäben implementiert und deren Ergebnisse konsequent umgesetzt. Das wird aber im derzeitigen österr. Universitätssystem nicht durchsetzbar sein. Ich sehe ein neues "Mittelbau-Problem" auf uns zukommen.

bruno says:

Wir brauchen flexible Systeme

Wir brauchen flexible Systeme und keine weitere Verbürokratisierung. Verträge auf Zeit nach internationalen Standards. Es dürfen nicht so starre Systeme wie bei den Lehrern geschaffen werden.

stefang says:

Kollektivvertrag

Der jetzt beschlossene Kollektivvertrag lässt befürchten, dass der in weiten Teilen des Österreichischen Uni Systems vorherrschende Provinzialismus betoniert wird.
Wie sollen denn Jungwissenschaftler, die die Initiative ergriffen haben, und im Ausland ihren Post-Doc erfolgreich absolviert haben zurückgeholt werden? Wie werden denn aussergewöhnliche Erfolge belohnt? Wie internationaler Wettbewerb ermöglicht?
Meine Befürchtung ist, dass mit diesen Verträgen herausragende Diplomanden an ein bestimmtes Labor gebunden werden und dann mit der Karotte "gesicherte Karriere" ins wissenschaftliche Mittlemass geführt werden.

ConseQuences says:

Entlohnung

Alles eine Frage von Sicherheit im Hinblick auf die Karriere im weitesten Sinn. Unter der Lupe ist das jedoch eine reine Entlohnungsfrage. "Wieso forschen, wenn mein Arbeitsleben anderswo weitaus lukrativer ist?" Unbestritten ist: Die wesentlichen Investitionen im leben (Wohnung, Familie, etc.) fallen nun mal in jungen Jahren an...

Bergmann Michael says:

Attraktivität der wissenschaftlichen Karrieren

Ein großes Problem ist, daß der finanzielle Anreiz Wissenschaft (inbesondere universitärer Wissenschaft) als Beruf zu wählen, im Vergleich zu anderen Berufen relativ gering ist. Es steht also die gewünschte Spitzenforschung im krassen Gegensatz zu einer unterdurschnittlichen oder bei Teilzeit-Wissenschaftlern de facto teils gänzlich fehlenden Bezahlung. Die gilt inbesondere für Universitäten. Dadurch wandern zahlreiche begabte Ziel-orientierte Menschen in höher dotierte Berufe wie z.B. Managment ab oder betreiben (Teilzeit)-Wissenschaft nur halbherzig.

Besonders sollte die Position des wissenschaftlichen Arbeitsgruppenleiter/in, auf breiter Basis attraktiver gestaltet werden. Dies ist wichtig, weil diese Position die Basis für den wissenschaftlichen Fortschritt darstellt. In dieser Postion werden Ideen generiert; es werden die Finanzmittel eingeworben; es wird die Durchführung der Forschung überwacht und es werden die Resulte präsentiert (Publikation/Vorstellung zur Patenteinreichung/Präsentation)

Eine Stärkung der Position des/der Arbeitgruppenleiter/in wäre besonders im universitären Bereich notwendig. Dies muß aber unmittelbar Leistungs-abhängig erfolgen um dem Versickern von Geld Vorschub zu Leisten:

Möglichkeiten sind:
- Prozentuelle Beteiligung am eingeworbenen Projektgeld (z.B 5-10%). Dies könnte im Rahmen des Universitäten Overheads abgegolten werden.
- Erfolgsprämien bei Patenteinreichung (z.B. 2000 €)
- Erfolgsprämien bei Publikation aus einer definierten Liste von herausragenden Journalen (z.B. 2000 € )
- Förderung von Nebenverdienstmöglichkeiten im Rahmen von wissenschaftlich ausgerichteten Wirtschafts-Akademia Grants/Projekten

Durch solche unmittelbar Leistungs-orientierten Erfolgsprinzipien wird man auch der gewünschten Annäherung von Wissenschaft an die Wirtschaft gerecht, nachdem im Wirtschaftbereich eben auch eine Leistungs-orientierte Bezahlung vorrangig ist.

PS: Eine Möglichkeit der Finanzierung dieses Vorschlages, wäre das Geld von jenen Einrichtungen abzuziehen, welche Wissenschaft kommentieren und bürokratisieren.

Jörg Schmiedmayer says:

Wissenschaftliche Karrieren

Ein großes Hemmnis für die Wissenschaftliche Karriere ist die mangelnde Mobilität. Zum Teil ist Mobilität von Nachteil … das muss unbedingt aufgebrochen werden, und der zugang zu den nachwuchsstellen voll internationalisiert werden um die besten Köpfe anzuziehen. Das is t viel viel wichtiger als ein Kollektivvertrag.

Falls der Kollektivvertrag zur Einklagbarkeit von traditionellen Karrieremodellen (von Diplomarbeit -> festen Anstellung am gleichen Platz) führe ist er unter allen Umständen abzulehnen.

Attraktivität der wissenschaftlichen Karriere hängt zu erst einmal mit dem wissenschaftlich-intellektuellen Umfeld zusammen, das sind die Köpfe, und die solten Leader sein um eine Standort attraktiv zu machen

Johannes Schmid says:

Menschen

Die Personalstruktur wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten: An Österreichs Universitäten herrscht immer noch (oder schon wieder) ein feudalistisches System, bei dem die Institutsvorstände und Organisationseinheitenleiter sozusagen die Lehensherren sind, die die Entscheidungsgewalt über die Ressourcen haben - und die Assistenten sind sozusagen die Bauern, die auf dem Grund und Boden (den Instituten) der Lehensherren ihren "Zehent und Robot" leisten sollen (dürfen). Das UG2002 hat mit dem Argument "effizienterer Managementstrukturen" dieses feudalistische System wieder ermöglicht. Dabei wurde aber der Mittelbau und der wissenschaftliche Nachwuchs demotiviert und in noch stärkere Abhängigkeitsverhältnisse geführt. De facto wird aber der Großteil der Leistungen in der Lehre und auch in der Forschung vom Mittelbau erbracht. Um wirklich die guten Köpfe in der Forschung (und Lehre) zu halten ist ein Paradigmenwechsel nötig. Die Assistenten sollten ein gewisses Recht haben, über einen Teil der Universitätsressourcen (Raum, Investitionen, Sachmittel) selbst zu entscheiden - bzw. einen Anspruch darauf haben (z.B. nach Abschluss der Postdoc-Phase). Assistenten sollten die Möglichkeit haben mit entsprechender sachlicher Begründung direkt beim Rektorat (und nicht beim Institutsleiter) Raumressourcen und Mittel für Investitionen zu beantragen. Damit würde man die Eigenständigkeit und Eigenverantwortung erhöhen - und den jungen Wissenschaftern ermöglichen, früh aus den Abhängigkeiten herauszukommen und ihre eigenen Arbeitsgruppen aufzubauen. Dies sollte kombiniert werden mit leistungsgekoppelten Gehältern. Derzeit bekommen Assistenten zwar etwas für Lehrleistung, das Einwerben von Drittmitteln und das Führen von Arbeitsgruppen (die Leitung von Drittmittelprojekten) wird aber nicht honoriert. Eine Möglichkeit diese Leistungen zu fördern wäre einerseits die Finanzierung von Overheads (die z.B. vom FWF an die Organisation des Projekteinreichers gehen) - und die Bezahlung einer Leistungszulage an den Projektleiter aus diesen Mitteln.